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A-3 Schadstoffe in der Bausubstanz

A-3.1 Vorbemerkungen

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die häufigsten Schadstoffe, die in der Bausubstanz von Gebäuden, Außenanlagen und technischen Anlagen auftreten. Dabei ist hinsichtlich der Ursache des Vorkommens der Schadstoffe zu unterscheiden zwischen

  • baustoffimmanent: Schadstoffe, die in der Herstellung von Bauprodukten, Baustoffen und Einbauten vorliegen. In der Regel sind diese als Zuschlagsstoff oder als natürlicher Grundstoff enthalten.

  • nutzungsbedingt: Schadstoffe, die durch die objektspezifische Nutzung in die Bausubstanz gelangt sind.

  • umweltbedingt: Schadstoffe, die über die Luft als Gas, Aerosol oder Staub sowie über die Fauna eingetragen werden, weiterhin mikrobiologische Schädigungen durch Baumängel.

Ein entsprechender Vermerk findet sich in den letzten drei Spalten.

In den Arbeitshilfen Recycling wird auf eine detaillierte Darstellung weiterer Schadstoffdaten (z. B. physikalisch-chemische Daten, Angaben zu Umweltverhalten, Toxikologie und Arbeitssicherheit sowie Richt-/Grenzwerte) verzichtet. Hierzu finden sich ausführliche Informationen in

  • STARS (Stoffdatenbank für bodenschutz-/umweltrelevante Stoffe) im Internet:
    www.stoffdaten-stars.de

  • WINGIS (Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft mit Informationen für Tätigkeiten mit Chemikalien beim Bauen, Renovieren und Reinigen, verfahrens- und verwenderbezogenen Informationen (z. B. Betriebsanweisungen), Gefährdungsbeurteilungen nach GefStoffV (www.wingis-online.de)


Informationen zu einzelnen Schadstoffen finden sich zudem auch unter:

  • Planungshilfe Umweltschutz im Bauwesen (Bauministerkonferenz ARGEBAU, 2004)
  • Infoportal Schadstoffe der Enius AG (www.enius.de/schadstoffe.html)

Aus den jeweiligen Schadstoffen können sich Anforderungen für den Arbeitsschutz im Falle von Sanierungs- oder Rückbaumaßnahmen ergeben. Derartige Informationen bilden auch einen Schwerpunkt bei dem o. g. WINGIS. Zur Veranschaulichung sind in der Anlage Beispiele für entsprechende Schadstoffdatenblätter beigefügt.

In Bezug auf die Analytik bei einem Verdacht auf die genannten Schadstoffe in der Bausubstanz (technischen Untersuchung) wird auf die in STARS genannten Verfahren verwiesen.

In der folgenden Tabelle werden auch Hinweise zu möglichen Verwendungszeiträumen zu Baustoffen mit baustoffimmanenten Schadstoffen in Deutschland gegeben, sofern hierzu gesicherte Informationen vorliegen (2. Spalte; z. B.: In welchen Jahren wurde Asbest verbaut oder in welchen Zeiträumen muss mit den jeweiligen Schadstoffen in der Bausubstanz gerechnet werden?).


A-3.2 Übersicht über die häufigsten Schadstoffe

Schadstoff

Vermuteter Einbauort

Gesundheitsschädigende Wirkung

1

2

3

Asbest

 Verwendung: ca. 1900 bis   
 1990, verstärkt ca. 1950 bis  
 1985

 Schwach gebundene Form
 (bis ca. 1982):

·    Spritzputze (bis 1979
bzw. DDR bis 1969)

·    Brandschutzelemente

·    Kordeln, Schnüre,
Stopfmassen

·    in Dichtungsmaterialien

·    Bodenbeläge (Flex-Platten,
Cushion-Vinyl)

·    Rohrisolierungen

·    Einhausung Raumlufttechnik

·    Elektrospeicheröfen

·    Lacke und Kunststoffe


Fest gebundene Form
(bis 1992):

·    Asbestzementprodukte wie
Dacheindeckung

·    Fußbodenplatten

·    Asbestzementplatten

·    Entwässerungs- und
Lüftungsrohre


Asbest in Belägen auf
Flugbetriebsflächen (sog.
Betophalt bis Ende 1970er Jahre)

·    Kanzerogenität
(krebserzeugend)

·    Staublungenerkrankung (Asbestose)

 

 

 

 

Chrom-Verbindungen,
u. a. Cr (VI)

·    chromat-haltige Zemente

·    Chrom-Kupfer-Fluor-Imprägniersalze für Holzschutz

 Gefährdung bei der
 Verarbeitung:

·    Kanzerogenität
(krebserzeugend)

·    Schädigung/Reizung von Haut und Schleimhäuten

 

 

DDT

·    Holzschutzmittel (DDR: bis 1991, sonst 1977)


als Insektizid bei
US-Gaststreitkräften:

·    Innenwandputze,

·    Wand- und Deckenverkleidungen

·    Fußbodenbeläge

 

 

 

Dichlormethan

·    Lösungsmittel

·    Extraktionsmittel

·    Bestandteil von Abbeiz-,
Metallentfettungs-,
Fleckenreinigungsmitteln 

·    Vergiftungssymptome: Kopfschmerzen, Schwindel, Rausch, Erbrechen, Narkose

 

 

Echter
Hausschwamm

·    Versagen der befallenen Bauteile durch Kernfäule

 

·    Atemwegserkrankungen,

·    Reizerscheinungen

·    Allergien

·    Gefahr durch
Bauteilversagen

 

 

FCKW

(Fluorchlor-
kohlenwasser
stoffe
)

·    Treib-, Kälte- und
Feuerlöschmittel (bis 1995)

·    Reinigungsmittel

·    Entfettungsmittel

·    Lösemittel

·    Schaumstoffe, Dämmstoffe,
Montageschäume (bis ca. 1995) 

·    Schädigung der
Ozonschicht

·    Verstärkung des
Treibhauseffektes

 

 

 

Fogging

·    Staubabscheidungen und
-ablagerungen an Wänden und Decken; können mittel- bis schwerflüchtige organische Verbindungen (SVOC) enthalten

·    bisher keine
Gesundheitsgefährdung bekannt

 

 

Formaldehyd

·    Konservierungsmittel

·    Holzschutzmittel

·    Lösungsmittel in
Spanplatten, Lacken,
Leimen, Tapeten,
Teppichen, Akustikdecken

·    Schleimhautreizungen

·    Verdacht auf
Kanzerogenität 

 

 

KMF

Künstliche
Mineralfasern (alte Generation)

·    krebsverdächtige Produkte bis 1996, Verwendungsverbot erst seit 2000

·    Wärmedämm- und Schallschutzmaterialien

·    Ummantelungen,
Isolierungen

·    Akustikdecken,
Trittschalldämmung 

·    Kanzerogenität

·    Juckreiz bei
Hautkontakt 

 

 

Lindan (g-HCH)

·    Holzschutzmittel (bis 1986)

·    Insektizid (bis 2007)

·    Atemwegserkrankungen,

·    Reizerscheinungen von Augen und Haut

·    Befindlichkeitsstörungen

·    Nervenschäden

·    Verdacht auf
Kanzerogenität

 

 

Mineralölkohlen-
wasserstoffe (MKW)

·    nutzungsbedingte Verunreinigungen von Böden (z. B. Beton) durch
Kraft- und Betriebsstoffe

 

 

 

Naphthalin

·    Lösungsmittel

·    Holzschutzmittel

·    Reizung der Haut,
Augen und Atemwege

 

PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasser-
stoffe)

·    in Bitumen- und Steinkohlenteer-Produkten (z. B. Stampfasphaltplatten, Dachbahnen)

·    in Parkettklebern

·    Heizungsanlagen,
Schornsteine

·    Straßenbaustoffe

·    Flugbetriebsflächen
(Asphalt, Teersand-befestigte Flächen und
Fugenmassen)

·    zur Herstellung anderer
Chemikalien

·    Befindlichkeitsstörungen

·    z.T. Kanzerogenität

·    Schädigung des
Immunsystems, des
Erbgutes

 

PCB (Polychlorierte Biphenyle)

·    dauerelastische
Fugenmassen

·    Weichmacher für Lacke, Harze, Kunststoffe

·     Flammschutzmittel,
Holzschutzmittel (Anstrich an Wilhelmi-Akustik-Deckenplatten

·    Kabelummantelungen

·    Hydrauliköle

·    Klebstoffe

·    Kondensatoren

·    Insektizide, Pflanzenschutzmittel

·    Isolier- und Kühlflüssigkeit von Transformatoren

·    Schädigung des
Abwehrsystems des
Körpers (Immuntoxizität)

·    führen zu Entwicklungsverzögerungen

·    Verdacht auf
krebserzeugende
Wirkung
(Kanzerogenität)

·    Schädigung des
ungeborenen Lebens

 

PCP
(Pentachlorphenol)

 in Innenräumen: 1945 bis 
 1986 (seit 1998 vollständig
 verboten)

·    Konservierungsmittel von Leder, in Teppichböden und
Klebstoffen

·    Holzschutzmittel

·    Fugendichtungsmittel

·    Spachtel- und Vergussmassen

·    Kanzerogenität

·    Immuntoxizität

 

 

Per

(Tetrachlorethen; Perchlorethylen)

 

·    Lösemittel in der
chemischen Reinigung

·    Entfettung von verölten Bauteilen (Kaltreiniger)

·    Atemwegserkrankungen,

·    Reizerscheinungen von Augen und Haut

·    Schädigung von Leber und Nieren

·    Nervenschäden

·    Verdacht auf
Kanzerogenität 

 

 

Polychlorierte Dioxine/Furan

·    Holzschutzmittel

·    Rotgrandmaterial, z. B. auf
Sportanlagen

·    Nebenprodukt bei der Stahlherstellung, bei der Aluminium- und Kupferherstellung, in der Papierindustrie 

·    Schädigung der Leber

·    Befindlichkeitsstörungen

·    Hautreizungen/Ekzeme

·    Schädigungen am
Zentralen Nervensystem

 

 

PVC (Polyvinyl-
chlorid
)

·    giftig durch Zusätze wie Weichmacher, Flammschutzmittel, Farben, Stabilisatoren

·    Bodenbeläge, Rohrleitungen, Kabel, Dichtungen, Innenausbau

·    Freisetzung von giftigen Substanzen im Brandfall

·    Befindlichkeitsstörungen

·    erhöhte Infektionsanfälligkeit

 

 

Quecksilber

·    Neonröhren,
Quecksilberdampflampen

·    Batterien

·    Gleichrichter

·    Pflanzenschutzmittel

·    Holzschutzmittel

·    Erbrechen

·    Schädigung des
Zentralnervensystems,
der Nieren

·    Sprachstörungen,
Wahrnehmungsstörungen

 

 

Radon

·    Anreicherung in Kellerräumen, z. B. bei Wasseraufbereitungsanlagen

·    Kanzerogenität,
Mortalität

 

 

Schimmelpilze (Mykotoxine)

·    feuchte, unbelüftete
Bauteile, v.a. Holzbauteile, Fensternischen,
Kellerräume

·    Atemwegserkrankungen,

·    Reizerscheinungen

·    Allergien

 

 

Schwermetalle (Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink)

·    Rohrleitungen, Kabel

·    Anstriche, Rostschutzmittel

·    in Platten- und Folienform

·    Bleiglas

·    Verdacht auf
Kanzerogenität,
Erbgutveränderung

·    Schädigung des
Zentralnervensystems,
der Nieren, des Blutes

 

Sprengstofftypische
Verbindungen (STV)

·    Gebäude, in denen Sprengstoffe hergestellt, gelagert oder abgefüllt worden sind

·    Zell-, Gewebe-, Blut-,
Magen-, Darm-, Leber-
und Nierengift

·    Reizung der Augen und Atmungsorgane

·    Anämie

 

 

Styrol


·    Lösungsmittel

·    zur Herstellung des Kunststoffes Polystyrol für Dämmplatten

·    Hautirritationen

·    Atemwegserkrankungen

·    Schädigung von Nieren

·    Hirnfunktionsstörungen

 

 

SVOC

(mittel- bis schwerflüchtige organische
Verbindungen)

·    u.a. in Bauteilen mit Holzschutzmitteln, Farben und Lacken, die dann Stoffe abgeben können (ausgasen)

·    s. auch Fogging

·    Ausmaß der Toxizität noch umstritten

·    evtl. Reizungen der Schleimhäute, Atemwege, Haut

·    Befindlichkeitsstörungen

 

 

Taubenkot

 

·    Übertragung von Pilzsporen und Infektionserregern (Papageienkrankheit)

 

 

TCEP

Tris(2-chlorethyl)
phosphat

 

·    Weichmacher, Viskositätsregulator, Flammschutzmittel

·    in Möbeln, Bodenbelägen,
Dämmstoffen

·    Beeinträchtigung der
Fortpflanzungsfähigkeit

·    Verdacht auf
Kanzerogenität

 

 

Toluol

·    Lösungsmittel

·    Verwendung in Klebern und Lacken sowie Möbelpflegemitteln und in Druckfarben

·    Hautirritationen

·    Atemwegserkrankungen

·    Schädigung von Nieren

·    Hirnfunktionsstörungen 

 

Uran

·    Straßenbau (Verwendung von Haldenmaterial in Frostschutzschichten in Uranabbaugebieten in Sachsen und Thüringen in den Jahren ca. 1950 bis 1980) 

·    Kanzerogenität,
Mortalität

 

Vanadium

·    Verwendung in Ziegeln

·    Reizungen der
Atemwege, Augen

 

 

VOC (flüchtige organische
Verbindungen)

·    in Reinigungs-, Putz- und
Pflegemitteln

·    in Lacken, Verdünner,
Klebstoffen (Fußbodenbelag, Tapeten)

·    Reizungen der
Schleimhäute, Atemwege, Haut

·    Befindlichkeitsstörungen

·    neurotoxische Wirkung

 

 

Xylol

·    Lösungsmittel von Farben,
Klebstoffen, Dichtungsmassen

 

·    Atemlähmung und
Herz-Kreislaufstillstand

·    Hautreizungen

·    Hirnfunktionsstörungen

 

 


1  baustoffimmanent    

2  nutzungsbedingt      

3  umweltbedingt


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